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airport HORROR story

Mittlerweile ist meine Rückreise schon über eine Woche her. Seit dem habe ich es aber nicht geschafft meinen angefangenen Bericht über den Verlauf dieser Odyssee zu beenden. Grund: STRESS, STRESS, STRESS. Projektabgaben, Klausurvorbereitungen etc… Habe meinen Tagesablauf in der letzten Woche diesen Umständen entsprechend angepasst, indem ich im Rhythmus 4 Std. arbeiten, 2 Std. schlafen, 4 Std. arbeiten, 2 Std. schlafen… gelebt habe. Ich sag mal so: das macht einen bescheuert!

Nun gut. Die wichtigste Präsentation war am Freitag. Morgen kommt Französisch Klausur + Abgabe eines Beleuchtungsprojektes. Mit dem bin ich glücklicherweise fast fertig, aber die franz. Grammatik müsste ich mir nochmal anschauen.

Der Grund dafür, dass ich gerade endlich etwas Zeit zum schreiben habe ist übrigens, dass ich gerade den unnötigsten Kurs des Semesters habe, bei dem wir mal wieder darauf warten, dass die Professorin unsere Kartenanalysen korrigiert, damit wir irgendwie weiter arbeiten können. Das kann aber dauern.

Deswegen hier mal meine Story. Wie man sieht begann ich sie vor 10 Tagen in Worte zu fassen.

 

Es ist Freitag, 9. Januar 2009. Ich befinde mich an Gate 24 des Flughafens von Lyon. Geplant war das anders. Eigentlich sollte ich gleich zur Uni in Marseille. Eigentlich sollte ich schon Mittwoch dort sein. Denn EIGENTLICH braucht man vom Flughafen Frankfurt bis zum Flughafen Marseille 1 Stunde und 35 Minuten. Mittlerweile beträgt meine Reisezeit von dort aus schon über 38 Stunden. 38 Stunden, in denen ich insgesamt 7 Flugtickets erhalten habe. Wertlose Flugtickets. Der Reihe nach:

Mittwoch Nachmittag: Froh, dass die DB pünktlich von Koblenz nach Frankfurt losfahren konnte, saß im Zug. Auf der Höhe von Boppard (für alle Nicht-Ortskenntlichen: 10min Fahrt von Koblenz) erhielt ich dann eine SMS von meiner Mutter: „Hallo Süße, der Flughafen Marseille ist geschlossen.hdl“. Großartig. Kurz übers Aussteigen in Boppard nachgedacht. Ergebnis: geht nicht, brauchst ja ein neues Ticket. Und wo kriegste das? Flughafen. Also weiter.

Am Flughafen angekommen, das erwartete Bild: Flug annuliert. Am Ticketschalter traf ich natürlich mehrere Leidensgenossen. Unter anderem auch Valeria und Ilias, Studenten aus Frankfurt, die auch ein Auslandssemester in Marseille machen. Nach kurzer Diskussion über einen Alternativflug nach Nizza mit dem Lufthansa Angestellen am Schalter (Verlauf etwa so: „Ich könnte Sie auf einen Flug nach Nizza in 2 Stunden buchen.“ „Was soll ich in Nizza?“ „Von da aus können Sie ja mit dem Zug nach Marseille!“ „Ist denn der Bahnhof in Marseille offen? Und zahlen Sie mir das Ticket?“ „Weiß ich nicht. Und nein, das müssen Sie selbst organisieren.“ böser, ungläubiger Blick von mir „Ok, da gibt’s noch einen Flug morgen früh von hier aus nach Marseille, auf den kann ich Sie auch umbuchen.“. Im Folgenden bekam ich auch noch ein (wirklich nettes) Hotelzimmer für die Nacht zugewiesen. Wenigstens etwas.

Mittwoch Abend: Bis dahin also alles noch einigermaßen im Lot. Abends saß ich dann mit einer sehr lieben Anfang 40jährigen afro-US-amerikanischen Krankenschwester namens Margaret, die ich zuvor im Busshuttle getroffen hatte ca. 2 Std. lang beim Buffet (grandioses Essen!). – ja, so viele Informationen kann man in einen Satz packen Nachdem ich ihr später noch zeigte, wie man den Fernseher bedient und uns beiden an der Rezeption jeweils eine Tube Zahnpasta besorgte, war sie total happy  und ich war das „Sweetheart“. Hab jetzt auch jederzeit eine Bleibe in Dallas, Texas

 

Donnerstag Morgen: 4:30 aufstehen. Super. Noch schnell nen Kaffee im Hotel getrunken und ab zum Flughafen. Noch halb schlafend machte ich erst einmal den Fehler mir eine 1l Flasche feinstes Volvic Wasser zu kaufen. Doof, dass man die ja gar nicht mit ans Gate nehmen darf. Ich den Inhalt der Flasche also in einer Rekordzeit von 15min geleert. Am Gate traf ich dann auch Valeria und Ilias wieder. gemeinsam warteten wir dann am gefühlten 10km entfernten Gate 28 auf unseren Abflug. 5min vor Boarding dann die Durchsage: Flug annuliert. Am Schalter begann dann das richtige Drama. Der nächste Direktflug nach Marseille am Nachmittag war bereits komplett ausgebucht (kein Wunder, bis zu dem Zeitpunkt waren ja bereits 3 Flüge ausgefallen). Alternative: ein Flug um 12:55 nach Lyon, von dort aus um 15:50 weiter nach Marseille, dessen Flughafen um 12:00 wieder geöffnet sein sollte. Damit wäre ich um 16:50 in Marseille. Annehmbare Zeit. Vorausgesetzt, der Flug findet statt. Das sagte ich auch der Dame am Schalter, mit dem Zusatz, dass ich AUF KEINEN FALL in Lyon feststecken will. Wir verblieben dann so, dass ich erstmal auf den Flug Frankfurt-Lyon-Marseille gebucht wurde, und falls der Flughafen um 12:00 noch geschlossen sein sollte, ich einen Flug am nächsten Tag bekommen könnte.

Ok. Mittlerweile war es fast 8Uhr. Also noch gute 4Std. Wartezeit. Diese vertrieb ich mir dann mit dem Einlösen des erhaltenen Frühstücksgutscheins und mit etwas Arbeiten am Laptop am Gate. Diesmal Gate 22, direkt am Umbuchungsschalter der Lufthansa, wo ich später den Stand der Dinge erfragen sollte. Sehr praktisch. Zwischenzeitlich ereignete sich noch folgendes: eine Familie mit 3 kleinen Kindern wartete am selben Gate. Sie wurden wohl auf einen Flug nach München mit mir unbekanntem Weiterflug umgebucht. Die Eltern sichtlich verwirrt und gestresst. Kurz nach dem sie zu ihrem zugewiesenen Gate gegangen waren, bemerkte ich eine Laptoptasche, die unter meinem Nachbartisch stand. Inklusive Laptop, zum Laden an die daneben befindliche Steckdose angeschlossen. Die Leute hatten ihren Laptop vergessen. Für mich eine furchtbare Vorstellung, fast gleichzusetzen mit dem Ende der Welt. Ich also zum Schalter, zu meiner netten Lufthansa-Katastrophen-Ticket-Sachbearbeiterin und erstattete Bericht. Diese war sichtlich gerührt, dass jemand eine solche Gegebenheit meldete und nahm die Tasche in ihre Obhut. Ca. 30min später kam dann auch der gestresste Familienvater angerannt.

Als dann die Boarding-Zeit näher rückte, begab ich mich wie ausgemacht zu der Lufthansamitarbeiterin meines Vertrauens um den Stand der Dinge in Marseille zu erfahren. Diese hatte leider noch keine offiziellen Neuigkeiten erhalten, wart mir aber aufgrund der laptoptaschen-Geschichte so wohlgesonnen, dass sie persönlich einen Flughafenmitarbeiter in Marseille anrief. Ergebnis des Gespräches, welches ich sogar mithören konnte: „Wir öffnen den Flughafen in 30 Minuten wieder!“. Alles klar. Ich mich bedankt und ab nach Lyon.

 

Wie der aufmerksame Leser vermuten mag, erwartete mich in fu…ing Lyon nichts Gutes. Ja, mein Anschlussflug wurde annuliert. Ich saß in Lyon. Groß. Die der deutschen Sprache leider NICHT mächtigen Lufthansa Mitarbeiterinnen in Lyon buchten mich dann auf den Abendflug um 20:00 nach Marseille, nicht aber ohne zu erwähnen, dass ich mir ja auch ein Zugticket kaufen könnte! Kaufen!? 60€? Ich glaub’s hackt! Das wäre mehr als ich für mein Ticket bezahlt habe! Also harrte ich aus. Weitere 4 Std. warten am ganz tollen Lyoner Flughafen. Abermals bekam ich einen Essensgutschein, den ich später nach einer langen Diskussion zwischen dem Backwarenfachverkäufer und der Lufthansamitarbeiterin auch endlich einlösen konnte. Großartig organisiert sind die dort. An dieser Stelle soll noch erwähnt werden, dass die vorhin erwähnten, nicht deutschsprachigen Lufthansamitarbeiter alle ihre Formulare in deutscher Sprache ausfüllen! Einer Sprache die sie nicht beherrschen!! Die machen einfach immer an der selben Stelle ihre Kreuzchen!!! Unfassbar.

Nun gut. Um fortzufahren: um 17:30 erfuhr ich, dass Marseille an diesem Tag keine Flieger mehr landen lässt. Und nun begann der Kampf. Ich wollte natürlich nicht am Flughafen schlafen und mir auch kein Zugticket kaufen. Also was tun? Diskutieren und ein bisschen schreien. Ja, ich war schon seit 4:30 auf den Beinen um auf nicht stattfindende Flüge zu warten. Ich war müde und wütend darüber, wie man immer noch so ein Problem mit ein bisschen Schnee haben kann, der am morgen des Vortages gefallen war! Nachdem äußerst nachdrücklich und laut darauf hingewiesen hatte, dass man mir in Frankfurt im Falle der Annulierung des Weiterfluges ein Hotelzimmer versprochen hatte und ich energisch forderte, doch jemanden dort zu kontaktieren, schickte man tatsächlich eine eilige E-Mail Richtung Deutschland, die kurze Zeit anscheinend mit einem „Gebt ihr ein Zimmer!“ beantwortet wurde, denn auf einmal  hielt ich meinen Hotelgutschein in der Hand. Bitte. Geht doch.

 

Eine halbe Std. später war dann auch der Shuttle Bus da, der mich zu meinem Nachtlager brachte. Der Fahrer jenes Vehikels stellte sich als sehr freundlich heraus und gab auch stolz seine Deutschkenntnisse zum Besten: „Guten Tag. Auf Wiedersehen. Danke. Weihnachtsbier.(???)“ Aha. Vor der Ankunft musste ich ihm noch versprechen, meinen Essensgutschein im Hotel einzulösen, da das Essen von ihm in den höchsten Tönen gelobt wurde. Blöd natürlich, dass ich von dem vorher schwer erdiskutierten Flughafenessen noch pappsatt war. Nach erwähnter Diskussion zwischen Nahrungsmittelverkäufer und Fluggesellschaftangestellter bekam ich nämlich: einen großen Salat, ein belegtes Baguette, Kuchen und eine Flasche Limo. Aber was soll ich sagen…versprochen ist versprochen und so aß ich im Restaurant einen wirklich super leckeren Fisch, Obstsalat und bekam Rotwein dazu. Alles im Hotelgutschein inbegriffen versteht sich.

 

Nach der Nacht im Hotel ist der Schluss schnell erzählt. Der Flug am nächsten morgen (siehe Textanfang) fand tatsächlich statt! Ein kurzes Video von Gate 24 des Lyoner Flughafens existiert auch und wird von mir baldmöglichst auf diese Platform gestellt. Sprich, sobald ich rausgefunden habe wie das geht. Es war ein wenig einsam dort. War halt auch schon fast 2 Std. vor Abflug dort. Man will ja den Flug nicht verpassen, wenn er denn schon stattfindet.

Nach ziemlich genau 48 Stunden Reisezeit und 8 zum größten Teil nutzlosen Flugtickets (siehe Foto) befand ich mich dann endlich in meinem Zimmer und konnte auch meine Kommilitonen wieder in die Arme schließen.

 

++Erklärung++

links: eigentliches Ticket

rechts: Ersatztickets. Nach einer Weile bekam ich nur noch Papierausdrucke, mit dem Kommentar "Falls der Flug stattfindet bekommen Sie damit ihr eigentliches Ticket." Da hat man sich gefreut...

Zu späterem Zeitpunkt erfuhr ich dann, dass es anderen noch um einiges schlechter erging als mir. Nachdem einige der Spanier bereits 2 Tage in Madrid auf die Öffnung des Marseiller Flughafens gewartet hatten, fing es in Madrid an zu schneien, woraufhin der Flughafen dort nochmal für 3 Tage geschlossen wurde! Und eine richtig arschige spanische Fluggesellschaft ließ sogar ein Mädel 3 Nächte lang am Flughafen übernachten, anstatt ihr ein Zimmer zu besorgen! Am 4. Tag konnte sie bei einer Bekannten in Madrid unterkommen. Unglaublich.

 

Ich hoffe, euch hat meine kleine Geschichte gefallen. Mittlerweile kann ich auch darüber lachen, zwischenzeitlich hatte ich allerdings das starke Bedürfnis alles zusammenzuschreien und jemanden zu verprügeln. Und das alles wegen Schnee…

19.1.09 17:20
 



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